Sechs-Wochen-Amt für Agnes und Heinz Middendorf am 22. Januar 2022

In der Öffentlichkeit sah man sie nur gemeinsam: Agnes und Heinz Middendorf waren häufig zu Fuß unterwegs, flotten Schrittes, Hand in Hand, beide über 90. „Einer war die Kraft des Anderen, war des andern Trost“, schreiben die Kinder in der Todesanzeige, und „Nicht mal im Himmel möchte einer ohne den anderen gehen“. Nur ganz wenige Tage nacheinander haben sie sich von der Welt verabschiedet, Heinz am 7. Dezember 2021 im 96. Lebensjahr, Agnes am 12. Dezember im 92. Jahr. An ihrer Beisetzung konnten viele von uns teilnehmen, aber gemeinsam für sie singen, das ging nicht, die Pandemie ließ es nicht zu. Zumindest ein Ensemble durfte aber das Sechs-Wochen-Amt mitgestalten: Bernhard, Klemens, Paul; Hans, Hubert, Ludger; Klemens, Willi; Adalbert, Ludger.
Heinz ist 1926 geboren und begann mit 14 Jahren in Bocholt bei Flender die Lehre als kaufmännischer Auszubildender mit dem Abschluss 1943.
Am 29. 8. 1943 begann für ihn der Krieg, danach die Gefangenschaft in Sibirien. Nach der Rückkehr hat er noch fast 50 Jahre wieder bei Flender gearbeitet. Über seine Kriegszeit hat Heinz sorgfältig Tagebuch geführt, später schrieb es vieles davon auf unter dem Titel „Von Rhede über Moskau nach Sibirien“. In diesem Heft erzählt er – oft mit launigen Worten, aus denen man doch manches Mal die ohnmächtige Bitternis heraushört – von vielen gefährlichen Situationen und vom dauernden Überlebenskampf des Kriegsgefangenen in Russland.

Am 7. Mai 1949, exakt 4 Jahre nach Ende des Krieges und nach Beginn seiner Kriegsgefangenschaft war Heinz wieder zu Hause. Über seinen Geburtstag 7 Wochen später schreibt er : „Ich wurde am 25.6.1949 erst 23 Jahre alt und hatte schon hinter mir: 3 Wochen Wehrertüchtigungslager (29.8.-18.9.1943), 3 Monate Reichsarbeitsdienst (23.11.1943-18.2.1944), 14 Monate Soldat (23.2.1944-8.5.1945) , 4 Jahre Kriegsgefangenschaft (8.5.1945-7.5.1949). Gebe der Herrgott, dass so etwas nie wieder kommen möge.“

In den KAB-Männerchor kam Heinz im Oktober 1964, nur Paul Bartmann ist von den aktuellen Mitgliedern länger dabei. Heinz sang im 2. Tenor, war auch schon bald bereit, mit seinen Fähigkeiten auch dem Chor zu helfen: 1966 wurde er Kassenprüfer, 1968 übernahm er von Willi Storm die Finanzverwaltung des Männerchores und gab diese Aufgabe erst nach 37 Jahren, 2009 ab an Werner Goldschmidtböing. Zwischendurch sprang er noch in die Bresche, als Bernhard Frericks 1976 die Arbeit als Vorsitzender nicht weiter machen konnte. Heinz wurde der dritte Vorsitzende in der Geschichte des Männerchores. 1980, in seiner Amtszeit, feierte die KAB ihr 75-jähriges Bestehen, gleichzeitig der Chor sein 25-jähriges. 1984 übergab Heinz die Führung des Männerchores an Paul Schröer.

Bis zum Beginn der Korona-Pandemie Mitte März 1920 kam Heinz sehr regelmäßig mit dem Fahrrad zu den Chorproben ins Vereinshaus und nahm nach Möglichkeit auch an den gesellschaftlichen Veranstaltungen teil. Während der letzten zwei Jahre ließen seine Kräfte immer mehr nach, er verstarb Anfang Dezember 2021, seine Frau Agnes folgte ihm fünf Tage später.

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